Tja, ich wollte eigentlich wieder öfters schreiben, wollte.
Nun es hat verschiedene Gründe, warum es anders kam. Erst bat mich mein Bruder im Geiste für den amtierenden Schweizer Frank Sinatra eine Webpage zu erstellen (was ich natürlich auch prompt machte und später in einem anderen Beitrag auch noch näher darüber berichten werde) und dann kam Hägar…. Vollgas!
Hägar hat sich gegen ende Mai eine kleine Verletzung am Schienbein zu gezogen. Nichts gravierendes, ein kleiner Stich vermutlich von einer Pflanze beim spazieren gehen. Diese Verletzung diente aber Bakterien als Vermehrungsgrundlage und es bildete sich ein Roter Fleck der gegen den Fuss zu wanderte. Dieser Fleck war heiss und empfindlich und so brachten wir Hägar am 3. Juni, einem Sonntag, zum Notfall ins Spital.
Ein kurzer Blick des Herren Doktors und die Sache war klar. Antibiotika- und Schmerzmitteltabletten während 12 Tagen, dreimal täglich einsalben und etwas Tee, dann wird’s schon wieder. Was der Herr Doktor wohl leider akustisch nicht so mitbekam, war mein Hinweis auf das schwache Immunsystem und, dass eine weitere Chemotherapie bevor stünde. So gingen wir guter Dinge nach Hause und die Mittel wirkten die ersten paar Tage Wunder. Schon nach kurzer Zeit verkleinerte sich der Rote Fleck, die Schmerzen waren weg.
Am 6. Juni kam aber die nächste Chemotherapie. Nur drei Tage etwas mehr Pillen schlucken als sonst, das hat Hägar jetzt schon ein paar Mal ohne Probleme hinter sich gebracht. Kein Erbrechen, kein Durchfall… auch die letzten Haare überstanden bis jetzt alles Schadlos.
Die Mixtur von Antibiotika mit Chemo war aber auch für den stärksten Wikinger zu viel. Es setzte Übelkeit, Durchfall und Schwäche ein. Da die Therapie wie gesagt aber nur drei Tage dauert, wollten wir es alle durchstehen und Hägar blieb halt ein wenig im Bett. Die Bakterien aber fühlten sich wohl schon wieder so wohl, dass sie diese Schwäche schamlos ausnutzten und wieder anfingen sich fröhlich zu vermehren. Hägar ass nichts mehr, ging aber ständig auf die Toilette. Oben, unten… es wollte nicht aufhören. Am Schienbein bildeten sich nun Blasen. So wie diese, die man von neuen Schuhen an den Füssen kriegt. Erst eine, dann zwei und so weiter.
Am letzen Montag telefonierte ich mit dem Arzt aus dem Spital. Dieser meinte, dass der Verlauf so nicht stimmen würde und wir doch einen Immunologen aufsuchen sollten. Klaro, der fehlte bis jetzt sowieso noch in der Sammlung… also nichts wie hin!
Dieser Äugte Hägar an und meinte, dass er wohl im Spital besser aufgehoben wäre, da er schon sehr dehydriert sei, also viel Flüssigkeit verloren habe.
Jup, das sah ich auch so und brachte ihn am Montag ca. halb vier in sein angestammtes Spital. Da war vielleicht Hochbetrieb! Es scheint, dass die anhaltende Regenperiode (es regnet nun schon jeden Tag seit über einer Woche) die Leute hier krank macht… nun, wir kennen das aus der Schweiz. Die Leute aus JP aber sicher nicht.
Hägar war also in der Aufnahmestation und da ging es her wie im Wespenhaus. Die Stunden vergingen und es wollte kein Zimmer frei werden. Nach über vier Stunden machte ich Rabatz! Jede Minute in dieser Aufnahmestation ist halt für Hägars Immunsystem eine Gefahr.
Lange Rede kurzer Sinn, man einigte sich darauf, dass er in ein anderes Krankenhaus verlegt werden würde. Ein kleineres… und wie sich herausstellte ein viel schlechteres.
Gegen 21:00 Uhr abends wurde er im nahegelegenen „Dom Rodrigo“ Spital interniert. Es fing schon „lustig“ an, es fehlte an allem. Nicht nur, dass keine Decken vorhanden waren, es fehlte sogar die Handseife. Etwas, was nun mal im Spital unabdingbar ist. Ich organisierte also notdürftig das nötigste und verlangte auch nach dem Stationsarzt. Schliesslich ist nicht nur das Bein ein Problem von Hägar. Nein, ich wusste nicht in wie fern er weiterhin seine Medikamente (vor allem die für das Herz) nehmen sollte. Es vergingen satte 4 Stunden, bis ich den Herrn Doktor zu Gesicht bekam. Es ist halt schlichtweg ungenügend, nur einen Arzt im gesamten Spital zu haben, welcher auch noch die Notaufnahme betreut.
Hägar fühlte sich wohl nicht besonders aber sein Zustand war insofern stabil. Nach dem lange ersehnten Gespräch mit dem Arzt, war ich eigentlich auch ganz zufrieden und, da Hägar ok war, ging ich nach Hause und haute mich aufs Ohr. Am Dienstag, dem 12. Juni war ich früh morgens schon da und erwartete, dass man mit der entsprechenden Therapie anfing. Nix da! Bis mittags passiert mal gar nichts. Hägars Zustand verschlimmerte sich langsam aber stetig. Als dann am frühen Nachmittag endlich der behandelnde Arzt auftauchte, gings vorwärts. Infusion mit Antibiotika, Bluttest, Bluttransfusion. Aha… leider aber wurde schon wieder ein kleiner aber wichtiger Fehler gemacht. Die Krankenschwester welche die Infusion steckte, verwendete die Grösse für Kinder aus dem einfachen Grund, dass sie leichter zu stecken ist. Das merkte man mit dem normalen Tropf nicht. Als dann aber die Bluttransfusion kam, ging nichts mehr die Leitung runter. Was macht der geneigte Krankenpfleger? Er steckt eine neue Infusion, diesmal mit der richtigen Grösse. Dauer der Aktion, 2 Minuten. Aber nicht in diesem Spital.
Geschlagene 3 Stunden wartete man auf diese Infusionsnadel. Das Blut verkrustete im Beutel und Hägar erhielt wohl nur ein Viertel der benötigten Menge. Die Freude meinerseits hielt sich zu x-ten male in Grenzen. Das ganze zögerte sich hinaus und der Verband, den ich ihm noch am Montag verpasste, wurde bis dann auch noch nicht gewechselt. Es bildete sich innert wenigen Stunden neue Blasen. Vor allem am Fuss, da wuchs eine Eiergrosse, voll gefüllte Blase vor sich her. Es kümmerte niemanden… ausser mich!
Heute Morgen um vier erhielt Hägar wieder nur Antibiotika und einen weiteren Beutel Blut. Von den benötigten Herz Medikamenten sprach schon länger keiner mehr. Ich ging also der Sache nach und es hatte niemand ein offenes Ohr. Man bestätigte mir nur, dass man dies in Betracht ziehen werde. Irgendwann. Hägar hatte eine wirklich schlechte Nacht hinter sich. Er wand sich hin und her. War unruhig. Am Morgen fing er an zu Halluzinieren. Sein Sauerstoffwert im Blut war schon am Montag sehr tief. Die Übersäuerung seines Blutes wies auf ein Nierenproblem hin. Sein Blutdruck stieg und stieg. Da ich schon am Dienstag mit den Ärzten über eine möglich Verlegung in die Intensivstation sprach, ging ich davon aus, dass es kein Problem sein sollte, ihn dahin zu verlegen, wenn es nötig ist. Falsch gedacht!
Heute um 13:00 war ich am Ende meines Lateins. Ich konnte seinen Puls sogar am Hinterkopf messen. Hägar pumpte nur so vor sich her. Er halluzinierte stark. Sein Urin hatte Spuren von Blut… es war Zeit ihn zu verlegen. Gata kam dazu und half zum guten Glück mit. Sie organisierte also den Arzt und ich beantragte die Verlegung in die Intensivstation. Seine Antwort war lakonisch… „Wir haben keinen Platz auf der Intensiven!“ „Aha… und?“ „Warten wir ab, wie er sich entwickelt“
Hallo?! Hägar ging es mies, hundsmies. Dieser Arzt wollte wohl einfach mal warten, ob sich die überstrapazierten Nieren von ganz alleine erholen. Zuwarten ob Hägar den viel zu hohen Blutdruck mit seinem schwachen Herzen durchsteht… warten, bis er stirbt.
Da haben wir aber ganz entschieden etwas dagegen ein zu wenden! Gata hängte sich also ans Telefon während dem ich Hägar das Händchen hielt. Ein anderes Spital mit Intensivstation musste her! Trotz verschiedensten bürokratischen Hindernissen, schafften wir es ihn um vier Uhr in ein anderes, besseres Spital zu verlegen.
Wir machten uns heute nicht viele Freunde im Spital „Dom Rodrigo“. Scheiss drauf!
Im Memorial Hospital angekommen, wurde Hägar endlich an die Überwachungsmaschinen angeschlossen. Der Stationsarzt meinte, dass die Hälfte der Unterlagen vom vorherigen Spital fehlten. Das verwunderte mich nicht. Ich sass also 10 Minuten mit ihm zusammen, erläuterte die Krankheitsgeschichte Hägars und ich stiess endlich auf offene Ohren! Seine Meinung deckte sich voll und ganz mit meiner. Nierenprobleme, zu hoher Blutdruck und fehlendes Potassio fürs Herz. Notfallstation unbedingt nötig und der Verband sei auch eine Sauerei!
Mir fiel ein Stein vom Herzen!
Nun, warten wir der Dinge die da kommen mögen. Es gibt keine Atheisten in einem trudelnden Flugzeug, meinte Hägars verstorbene Helga. Machen wir alle auf unsere Weise ein kleines Stossgebet für Hägar, dass er nicht aufgrund eines blöden Bakteriums und
(un-)menschlicher Unfähigkeit bleibende Schäden oder schlimmeres davon tragen wird.
Wir bleiben am Ball, koste es, was es wolle!








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