Es ist jetzt das 4te mal, dass ich hier Weihnachten mitten im Sommer (11:15 Uhr, 30° im Schatten) feiere, das 3te mal, dass ich es mit meiner geliebten Frau feiere, das 2te mal ohne Hägar und das 1te mal, dass ich überhaupt über dieses Thema schreibe.
Weihnachten, hier im Nordosten von Brasilien ist, wie vieles andere, ein Mix von Kulturen und Kitsch. Der amerikanische Santa Claus wird auch hier vom Gewerbe intensiv vermarktet… “Christkinder” sieht man eher selten. Gebäude werden festlich beleuchtet (da werden nächste Woche noch ein paar Fotos mehr folgen, bin momentan leider ohne Auto, siehe >> HIER!) und ab und an werden in den Shoppingcentern auch mal die “Jingle Bells” aus dem Lautsprecher gepresst!
Die Bedeutung dieses Tages (oder eher Abends) relativiert sich schnell, wenn draussen, auf der Strasse, Brasilianische klänge (Forro, Samba, Creo usw.) anstelle von “Stille Nacht, heilige Nacht” zu uns nach oben in die Wohnung schallen. Wenn ich auf ein tiefblaues Meer schaue und eigentlich der Grill und der Ventilator passender erscheinen als Lebkuchen und Stricksocken.
Ich kann nicht behaupten, dass für mich Weihnachten, nach der Kinderzeit, noch einen mystischen Stellenwert hatte. Trotzdem, die vielen Jahre, wo ich im kleinen Kreis der Familie diesen Abend ruhig und besinnlich verbrachte, bedeuten mir heute mehr denn je.
Diese Familie (Vater und Mutter) sind leider schon seit einer geraumen Zeit verstorben und die Erinnerungen an etwas verlorenes kommen in in einer solchen Jahreszeit jeweils stärker nach oben. Ein Prozess, der schmerzhaft sein kann, aber wohl zum Leben dazu gehört.
Mit ein wenig Wehmut denke ich an diese Abende zurück, wo man den Christbaum (in meiner Familie immer überdimensioniert und sehr bunt geschmückt!) während Stunden dekorierte, danach gemeinsam zusammen speiste und in den (noch) gemütlicheren Teil über ging… Geschenke und Gespräche.
Es wurde über das vergangene Jahr gesprochen, was gut war und was schlecht war. Es wurde philosophiert und sinniert, offene Gespräche geführt und, das war eine Kultur, die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel gelesen.
Draussen war es (normalerweise) kalt und auch ein Fondue gab es ab und zu. Die Lichter waren warm und es war ausnahmslos jedes Jahr harmonisch. Der Baum erstrahlte jedes Jahr noch schöner und man war sich einfach so nahe wie selten während des Jahres, wo die Hektik oftmals füreinander zu wenig Platz liess.
Als dann meine Mutter starb und mein Vater auswanderte, war dieser Zauber irgendwie verloren. Sicher, die Weihnachtsfeste waren immer noch da, aber ohne diese Ruhe und Besinnlichkeit. Es fehlte irgendwie an Reflektion, Tiefe und Besinnung.
Die letzte Weihnacht, die ich mit meinem Vater auf “unsere” ureigene Art verbrachte, war 2005 als wir zwei uns unter einer Palme am Strand, mit dem Rauschen der Wellen und einer Flasche Whiskey bewaffnet, eine ganze Nacht unterhielten. Es war das letzte mal, wo wir uns so aufeinander konzentrierten.
Heute ist der 24.12.2008. Es wird wieder Weihnachten gefeiert. Wir haben auch einen kleinen Baum geschmückt sowie unseren Balkon festlich beleuchtet. Am Abend aber, da werden wir die Runde innerhalb der Familie meiner Gata machen. Wichtig für sie, weniger spannend für mich.
Es wird getrunken und Small-Talk betrieben werden. Es wird gegessen und gelacht. Nein, ich habe nichts gegen alles dies ein zu wenden, ich mag es normalerweise. Leider hat es aber mit Weihnachten für mich nichts zu tun… mit Stille und Besinnlichkeit und dem Glauben daran, dass Jesus Christus heute Nacht geboren wurde.
Was soll’s! Weihnachten ist das Fest des Gebens. Geschenke, welche nicht immer Materiell sein müssen, gehören dazu. Mein Geschenk wird heute Abend sein, dass ich diesen Rundgang mit mache… lächelnd und fröhlich… obwohl es mir eigentlich nicht sonderlich darum ist und ich es mir irgendwie anders wünschte.
So feiert jeder, wie er es gewohnt ist. Ob mit einer Anti-Christmas Party, im Kreise der Familie oder mit lauter Musik und viel Gelächter… einfach so, wie er es mag. Es ist ein Abend, der nicht viel bedeutet, wenn man die Bedeutung nicht sucht. Es ist ein Abend, wo ich in meinem Herzen ruhig, besinnlich und friedlich sein werde!
Ich wünsche euch allen das selbige: Frieden, Ruhe und ein schönes, harmonisches Weihnachtsfest… so wie ihr mögt und könnt!
…und wer noch nein wenig Nachhilfe in der Weihnachtsgeschichte braucht:
Charlie Brown fragt nach Weihnachten…und Linus, sein kleiner Freund mit der Kuscheldecke, antwortet mit dem Matthäusevangelium.
Jesu Geburt
Lukas 2, 1-20
Es begab sich aber zu der Zeit,
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die aller erste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.
Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
Link, den man sich auch noch antun kann:
- Eine gute und ausführliche Antwort auf die Frage ob es den Weihnachtsmann gibt
…und zum Schluss noch ein Bonmot:
Und wenn das 5. Lichtlein Brennt, dann hast du Weihnachten verpennt!








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Lieber Ivo, liebe Danielle
Wie wunderbar, Ivo, dass Du so schöne Erinnerungen an Weihnachten durch Dein Leben tragen kannst. Für die meisten in unserem kleinen Ländchen ist ja Weihnachten mit sehr viel Stress und viel zu hohen Erwartungen verbunden (die können praktisch nur enttäuscht werden). Die Besinnlichkeit, die Du erlebt hast, ist wirklich sehr selten, ob in Brasilien oder der Schweiz.
Inzwischen seid Ihr beiden (bzw. ihr drei) ja auch schon im neuen Jahr angekommen, zu dem ich Euch – auch im Namen von Fracaul selber – viel Liebe, Freude und Glück wünsche. Herzlichst – Christa
Das freut mich aber sehr! Schön, dass auch von Ihrer Seite unser Blog gelesen wird und ich möchte mich bestens für Ihre guten Wünsche bedanken!
Ich hoffe, dass auch Sie, zusammen mit Ihrem Mami ein schönes und besinnliches Fest hatten und genau so gut gerutscht sind.
Viele liebe Grüsse auch von Danielle und ich hoffe, dass man sich im 2009 bei unserem geplantem Europa-Trip sieht!
Ivo und Danielle
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