Gestern waren wir mal wieder beim Hämatologen. Ja, genau, dieser welcher Notfalloperationen vornimmt!

Aber spulen wir erst einmal zurück…
Die erste Orale Chemotherapie, die wir ja damals noch im Spital beendeten, war vermutlich auch ein wenig mitschuldig für die plötzlichen Blutdruckprobleme von Hägar. In der Folge erhielt er also Blutdruckregulierende Mittel sowie Tabletten zur Stärkung des Herzmuskels. Die geschwollenen Füsse behielt er aber weiterhin und passte somit schlecht in seine Sandalen.

Das wiederum stellte natürlich auch wieder eine Gefahr dar, dass diese überschüssige Flüssigkeit sich wieder in den Lungen absetzen könnten… die daraus resultierenden Probleme kennt ihr ja. Nun, durch die Einnahme von Lasix (jup, gibts auch hier!) und eine vermehrte Lauftätigkeit (unter anderem zum WC) brachte er auch dieses Übel ganz gut in den Griff. Die Sandalen passen wieder!

Die Leukozyten Zahl verminderte sich von ehemals ca. 160’000 (könnte auch mehr gewesen sein) auf einen Wert von rund 46’000. Am 13. April war dann wieder einmal Dracula am Werk und sog Hägar ein weiteres Muster aus der Vene. Die Werte sind zwar immer noch hoch aber deutlich besser. Die magische Zahl liegt bei rund 37’000.  Wichtig zu wissen, die normalen Werte liegen bei 3’600 bis 11’000 mm3.

Die Wochen zwischen der letzten Chemo und heute brachten viel Gutes mit sich. Obwohl Hägar neuerdings meine Hosen trägt und immer noch ca. 15 Kilo Untergewicht hat, hat er am Abend an der Strandbar hin und wieder einen Schluck Bier genossen. Sogar einen Caipi lag mal drinnen… ja, gut ist es wohl bei der Dosierung an Medikamenten nicht aber diesen Genuss soll er sich doch auch mal gönnen, wenn er nicht gerade in der Chemotherapie steckt!

Der Onkel Doktor, braungebrannt wie immer, zückte also am 16. April halt wieder mal seinen Stift und verordnete Hägar die Chemo Nr. 3.

Damit wurde die gesamte Medikamtentierung etwas umfangreicher….


Hägar futtert also, zu Spitzenzeiten, fast 20 Tabletten am Tag. Wer sich jetzt fragt, was das alles bringen soll, der kann sich untenstehend schlau machen…


(Wenn ihr jetzt glaubt, dass man diesen Plan so vom Onkel Doktor oder seinem Vorzimmerdrachen serviert bekommt, dann habt ihr wohl die früheren Beiträge über den brasilianischen Kundenservice nicht gelesen. Nein, diese Aufgabe wurde mir zu teil. Ist auch gut so, es weiss nämlich der eine Spezialist nicht, was der andere macht und somit ist diese Liste bei jeder Konsultation hilfreich um nicht den Überblick zu verlieren!)

Nun, es hilft Hägar. Nur das zählt!

Trotz allem, manchmal will Hägar von dem ganzen nix wissen und “vergisst”, dass er doch noch ein wenig Chemie zu sich nehmen sollte… die Gewohnheiten nach dem Essen halt gegessen zu haben und sich vor den Fernseher zu flaken oder ein Mittagsschläfchen zu geniessen ist nach ein paar Jahrzehnten eingebrannt. Eine Nachfrage, obs denn heute schon Pillen zum Dessert gegeben hat, verleitet ihn dann oftmals zu einem erstaunten Grunzen. Anschliessend erfasst ihn eine Welle der Motivation und er holt das “vergessene” breitwillig nach.

Heute Abend, nach der Einnahme von unzähligen weissen, rosaroten, runden und eckigen Pillen, waren wir mal wieder unterwegs. Nach einem kurzen Spaziergang wurde der Durst gross und, wie gewohnt, rief die nächst gelegene Raststätte unter dem Palmenhein.

Hingesessen und… zurück zu den Gewohnheiten. Hägar wollte doch wirklich einen Caipi bestellen…! Nun, meine Reaktion darauf wirkte ernüchternd und er bestellte dann doch nur Mineralwasser.


So ist es halt mit den eingefahrenen Wegen, sie sind schwierig zu verlassen!