Es ist schwierig in JP gute Freunde zu machen. Ich spreche nicht von den Brasilianern hier, da hat man keine Schwierigkeiten, nein, ich spreche von Deutschen oder sogar Schweizern.

Schnell ist man die Personen durch,

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die hier Deutsch sprechen, und genau so schnell hat man weit über Hälfte wieder aussortiert. Entweder dauernd besoffen oder nur ständig am Meckern. Es ist manchmal zum schreien, dass dieses Strandgut hier das Deutsch sprechende Volk repräsentiert.

Nein, ich verstehe schon, dass man sich, wenn mal wieder was schief lief, natürlich gerne in seiner Muttersprache, darüber auslässt. Das passiert mir ab und zu auch. Ich spreche mehr von den „Deutschen“ hier, die den Blick für das Schöne (und ich spreche hier wirklich von wunderschönen Sachen) völlig verloren haben und eigentlich besser wieder dahin kriechen würden, wo sie hergekommen sind… nur da werden sie ja auch nicht mehr glücklich, ich weiss. Wenigstens aber, müsste ich sie dann nicht mehr anhören.

Ein wunderschönes Beispiel für einen solchen Deutschen ist W. von D. Er war mal irgendwie bei der Post angestellt und leidet, seit weiss ich wie lange, schon unter einem „bösen“ Bein, er ist ein ehemaliger Raucher, einer der mühsamen Art. Er ist ein korrekter Mensch, ein seeehr korrekter Mensch und hat damit hier in Brasilien nicht unbedingt einen leichten Stand. Zu Anfang versuchte ich ja dies zu verstehen, was mir aber mit der Zeit immer schwerer fiel. Nicht nur dass Herr W. von D. permanent mit Holzgaloschen daher trampelt, nein, die weissen Socken dürfen, zum Zeichen, dass er eben nicht hierher gehört, natürlich auch nicht fehlen. Herr. W. von D. ist mit einer Brasilianerin verheiratet und hat einen neurotischen, völlig überdrehten und nervenden Pudel. Nun, dass kann man ja alles auch noch erleiden.

Zuviel wurde es mir dann eines Tages, als Herr W. von D. mich mal allen ernstes fragte, ob ich eigentlich schon „verwildert“ sei. Es sei doch schlimm, dass ich in Havaianas (Flipp-Flopps) herumlaufe! Warum ich denn Portugiesisch gelernt habe, es wäre doch einfacher, wenn meine Frau, so wie seine, Deutsch sprechen würde und sowieso, ich hätte allem keine Ahnung und er wüsste eh über alles besser Bescheid, gefragt oder ungefragt.

Aha, dachte ich mir, und, vielleicht weil ich an diesem Tag grad auf dem falschen Fuss aufgestanden bin, teilte ich ihm mit, dass er doch so gut sein wolle und mich ab diesem Moment nicht mehr kennen solle. Auf gut Deutsch „Vergiss, dass es mich gibt und sprich mich einfach nicht mehr an!“. Das half. Herr W. von D. war von diesem Abend an Geschichte.

Nun, vor ca. 10 Tagen war ich mal wieder in der deutschen Strandbar und unterhielt mich mit dem Bayrischen Inhaber. Ein lieber Kerl, dem ich ab und zu auch gerne helfe. An der Theke sassen 2 jüngere Touristen (ist einfach zu unterscheiden, wen man nicht kennt, gehört hier eigentlich nicht hin) und liessen die Köpfe hängen. Weil ich mich halt manchmal ein wenig um „Bedürftige“ kümmere (siehe www.afink.org) und auch mal ein Tourist war, fragte ich nach dem Problem. Die beiden Deutschen waren irgendwo untergekommen und da gefiel es ihnen nicht mehr. Sie suchten ein Hotel, hier in der Nähe und die beiden sprachen aber nur Deutsch und Englisch. Ein schwieriges und teures Unterfangen, hier in JP!

Ich bat mich gerne an mit meinen Portugiesisch Kenntnissen zu helfen, nicht nur weil die beiden Hilfe brauchten, sondern auch weil sie einfach ein sympathisches Pärchen waren. Ein Hotel musste heute Nacht noch her und so packte ich die beiden in mein Auto und wir klapperten alles ab, was zu finden war. Unterwegs fragte ich, wo sie denn bis jetzt die Ferientage verbrachten und Nicole sagte mir bei ihrem Vater. Nun, wie ich schon sagte, hier kennt man fast alles, was Deutsch spricht… Ich fragte, wer denn ihr Vater sei. Die Antwort haute mich fast vom Sessel… die Tochter von Herrn W. von D. DAS hätte ich jetzt aber nicht gedacht. Nun, ich war in der Sache schon drinnen und so dachte ich mir, die Tochter hat ja nichts für den Vater und quartierte sie erfolgreich in ein gutes Hotel ein.

Ich ging danach nach Hause und erzählte Danielle, was geschehen war. Ihre Reaktion war, wie ich sie mir hätte denken können. Die Tochter von Herrn W. von D.? Dass kann nix gscheites sein! Ihre Skepsis war gross und ich versuchte ihr zu erklären, dass doch die Kinder nichts für ihre Eltern hätten und die beiden wirklich aufgestellt seien… und ich mit ihnen auf den nächsten Freitag abgemacht hätte.

Am folgenden Freitag, trotz nicht ganz perfektem Wetter (Regen und Wind) gingen wir dann zusammen zur Praia Bella und auch Danielle verstand, was ich meinte. Ein hart arbeitendes, aber sehr aufgestelltes Pärchen, welches noch den Blick für die schönen Sachen hier hat und alles bereit war mit zu machen, was wir ihnen vorschlugen!
Die folgenden Tage verbrachten wir dann oft alle gemeinsam und Danielle wird sich auf Grund dieses Geschehens nun doch zu einem Deutschkurs anmeldet, was ich natürlich begrüsse (nicht wegen mir, sondern für sie selber)! Wir sprachen über verschiedenes aus Europa und Deutschland (was mich natürlich interessierte) und über Brasilien (was Daniel und Nicole interessierten) und erfreuten uns an gutem Essen und Cachaça. Kleinere Asflüge und Shoppingtouren rundeten das Ganze ab. Ich kam aus dem “online” Übersetzen gar nicht mehr heraus und es gelang mir sogar, Witze lustig auf Portugiesisch rüber zu bringen. Leider spielte das Wetter nicht immer mit, nichts desto trotz, wir hatten eine super Zeit!

Eine Freundschaft entstand, die sich in den 12 Tagen festigte und als dann heute der Abschied kam, waren schon ein paar Tränen zu sehen. Wie schön, dass Danielle und ich die Möglichkeit hatten, gute Freunde zu gewinnen, Daniel und Nicole (die Tochter von W. aus D.), wer hätte das gedacht!

Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen und dass die Freundschaft eine kleine Pause überlebt!

 

P.S.: Happy Birthday, Daniel… die Fotos werden noch nachgereicht, versprochen!