Der Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, der Weltpolizist schlechthin, ist heute in São Paulo gelandet.
Das wissen viele, was aber nicht viele wissen ist, dass der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Horst Köhler (guksch du hier: Horst Köhler im Wikipedia) in der selben Stadt gelandet ist. Von Brasilia herkommend, landete Horst fast gleichzeitig auf dem selben fleckchen Erde, wo George in die Kamera winkte. Nicht nur, dass Herr Köhler mit der kokeligen Luftwaffe und nicht mit der Air Force One angedüst kam, nein, auch dass Horst den Geburtstag eines Journalisten der ganz hinten links in dem kleinen Flieger sass, der die schlappen 100 Mann kutschierte, während dem Flug nicht vergass und ihm eine Schokotorte servierte, macht ihn mir persönlich einfach sympathischer! Das nenne ich doch Vergangenheitsbewältigung. In der Luftwaffe werden neuerdings Schokotorten Schlachten veranstaltet!

Nun, der geneigte Leser wird sich fragen, was machen so Hochrangige, mehr oder weniger Fotogene Personen zur gleichen Zeit in São Paulo? Die Antwort ist simpel… sie reden hauptsächlich über Zucker. Zucker ist nämlich wertvoll. Jaaaa liebe Schweizer Bauern, wenn ihr ein wenig offener währt und nicht immer nur mit stuurem Grind eure Subventionen verteidigen würdet, dann hättet ihr auch so liebe Leute zu Besuch…. Denn Zuckerrüben verkaufen sich nun mal einfach besser wie stieri Grindä!

Zucker ist nicht nur süss, nein, aus Zucker kann man verschiedenes herstellen. Cachaça zum Beispiel. Kennt ihr nicht? Doch, kennt ihr! In jedem Caipi (Rezept für Caipi von Dani Werlen, Bar Linde in Fislisbach) ist dieser Zuckerrohrschnaps vorhanden und wird in jeder in Bar in der Schweiz genüsslich vernichtet. Der Cachaça ist aber auch pur und eisgekühlt an einer Strandbar sehr bekömmlich, vorausgesetzt man hat eine Strandbar.

Nun, mit diesem Alkohol kann man nicht nur die Lampe füllen, nein, auch den Tank des geliebten Automobils. Und genau da sitzt nämlich die Schlange im Zuckerrohr-Feld oder eben der Hase im Pfeffer. Die Zuckerrohr (oder auch Cana) Bauern sind nämlich nicht so malerische Alphirten (die Alpen fehlen ja in Brasilien) oder gar Geissenpeter die immer nur am Subventionsrock der Heidi hängen. Diese Jungs sind Unternehmer und wissen, dass sie auf der fruchtbaren Erde Brasiliens die nächste Generation eines Treibstoffes einläuten. Ethanol ist ein gangbarer Weg, weg vom Öl, weg vom Krieg und weg von Mulhas und Paschas in Leintüchern mit ihren verschleierten Frauen im Schlepptau.

Das wiederum gefällt dem Herrn Bush eben gar nicht. Nein, es gefällt ihm nicht, dass er Saddam für zig Milliarden Dollar hängen liess und täglich seine Kinder opfern muss für ein völlig veraltetes System der Energiegewinnung. Dass er Miliarden in die Lenkung der Saudis investiert hat um an das schwarze Gold zu kommen. Es schmeckt ihm nicht, das Zepter an die Lateinamerikanischen Länder, 3. Welt Länder, abgeben zu müssen und deshalb ist er hier. Ein wenig versüssen würde Bush die Sache, wenn er denn bessere Preise und mehr Mengen erhalten würde als alle anderen auf der Welt. Europa miteingeschlossen.
Horst ist auch deshalb hier, in Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens, wo Lula bei der Pressekonferenz drei mal Frau Merkel erwähnt hat. Das ist witzig den “Merkel” wird in Brasilianisch Portigiesisch mehr wie “Merken” ausgesprochen.

“Merkeln” wir uns dieses Treffen heute in São Paulo! Denn die Absichten sind verschieden. George will Brasilien, und Lula insbesondere, in den Griff kriegen. Währungsverhandlungen, Geschenke und wieder zig Milliarden Dollar, um den Lauf der Dinge für Amerika zu verändern. Zuckerimport / export Kontingente und Zollbarieren werden wohl auch als Druckmittel zur Verfügung stehen. Rigide Einfuhrbeschränkungen schützen heute schon die Amerikanischen Bauern, die den Biosprit mit dem teureren Mais herstellen.

Horst hingegen, sieht endlich Licht am Tunnel. Seine Öl-Förderung in der Nordsee dient ja eh mehr als Greenpeace Belustigung, als um ein Gegengewicht zu den OPEC Ländern zu sein. Dreckig, schmutzig und Ineffizient, das weiss Horst. Er würde viel lieber mit den Grünen die Saat der Zukunft streuen und, weg vom Patriachalischen Amerika, den Zucker hier in Brasilien kaufen. Das wäre dann sauber, ökologisch und sozial. Tja, dass schmeckt auch Angela! Europa hat keine Chance, in diesem Geschäft mit zu mischen. 1000 Hektar Mais oder Zuckerrohr sind für Europäische Verhältnisse schon gross, in Brasilien rechnet man da schon ein wenig grösser. 25000 Hektar sind so mittelmass und die Investitionen werden sich in 5 Jahren auszahlen. Das ist hier Realität.

Liebe Investoren, ich sehe schon Real Zeichen in euren Augen… sorry, dieses Geschäft ist fest in brasilianischer Hand und es stehen viele Ausländer Schlange um dann mit leeren Händen wieder gehen zu müssen. Jawohl, Donald Trump, die Südamerikaner wollen und brauchen dich nicht.

Nun zurück zu George und Horst. George wird die Medien sicher wieder einmal mehr begeistern. Dass kann er gut. Kann er aber auch Lula begeistern? Chavez, der sicher nicht zu seinen Freunden gehört? Nun, eines der meistverschuldetsen Länder kann heute nicht mehr so gut mit dem Wirtschaftsmotor der Weltökonomie reizen als in früheren Zeiten. Die Märkte ändern sich. China drängt vor und auch die Privatisierung in Brasilien brachte viel Geld hier her.

Eigentlich schade, George, deine Kriege brachten gute Filme ins Kino und fütterten die Kassen der Friedhofsbetreiber. Horst aber glaubt an die Vernunftbegabung der Menschen was sicher nicht ganz den heutigen Weg der Amis wiederspiegelt.

Läuten da die Glocken der Zukunft oder nur die der Kassen des Hochsicherheitstourismus in São Paulo?

P.S.: Heute ist, zu allem, auch noch der internationale Frauentag. Ich kann es nicht lassen und bedanke mich bei allen Frauen. Danke, für die unpassenden Migränen, für die zu heiss gewaschene Unterwäsche (kneiff!), für die PMS, für die Gefühlschwankungen / Eifersuchtsanfälle / Kaufwut. Hätten wir euch Frauen nicht, es würde uns viel Farbe im Leben fehlen!
Nein, im Ernst, Danke für all die schönen Sachen, die ihr für uns jeden Tag tut!

P.P.S.: Wann ist eigentlich der internationale Männertag…?