Hier in Brasilien ist das Handy schon bald das böseste was es gibt. So böse etwa, wie Osama Bin Laden für den Amerikanischen Präsidenten.
Mit Handys werden Morde beauftragt, Zelleninsassen organisieren ihre Drogentransporte und im Karneval werden gewaltsam entwendete menschliche Nieren oder Lebern oder Lungen oder sonstwas schnellstmöglich, also vor dem Verfallsdatum, verhökert…
Jawohl, das alles gibt es, in einem Brasilien, welches hier im Nordosten NICHTstattfindet. Das ist gut so, sonst würde ich nämlich nicht hier sein. Nein, hier geht alles etwas gemächlicher. Die Bankräuber sind durchwegs so doof, dass sie es nicht einmal ohne zu stolpern bis über die andere Strassenseite schaffen. Der Drogenkonsum ist niedriger als in Schaffisheim / TG und die Herren Polizisten sind im schwachen Masse korrupt, gerade so, dass man beim fahren ohne Sicherheitsgurt (jaaaaa, liebe Schweizer, das gibts auch in Brasilien!) noch mal mit einem Fufi wegkommt, das ist für alle besser als den gesamten Papierkrieg auf sich zu nehmen.
Es ist schlimm, in Rio oder Sao Paulo, in diesem Brasilien, welches das gesamteuropäische Bild formt. Es ist wirklich so, dass man in der brasilianischen Regierung darüber nachdenkt, das Handy zu verbieten, ein Vorstoss, der sicher nie kommen wird. Mal davon abgesehen, dass man ja nicht das Werkzeug sondern den Werkzeugmacher aufs visier nehmen muss. Was hat den schon ein Klumpen Stahl dafür, wenn der Mensch ein Gewehr daraus bastelt?
In diesem Brasilien, welches ihr lieben Schweizer aus den Medien kennt, da stinkt es gewaltig aus den Favelas, da sind abartige Krankheiten im Umlauf und es ist heiss wie Sau! Da werden Auftragsmorde auf der offenen Strasse verübt und die Stadt versinkt in Müll, Armut und Abgasen.
Nun, ich kenne Sao Paulo ein wenig. Nur wenige Stunden langten mir, um dies alles zu bestätigen. Rio ist wohl, abgesehen davon, dass sie nicht auch noch wie Sao Paulo überschwemmt werden, genau so schlimm.
Es ist schon erstaunlich, dass im ärmsten Teil Brasiliens dies alles viel dezenter stattfindet. Ich will nichts glorifizieren. Auch hier gibt es Verbrecher, die ihrer Arbeit nachgehen. Nur eben, man hat in diesem Teil des Landes einfach eine etwas langsamere Gangart und dies in allen Bereichen.
João Pessoa hat einen wunderbaren Strand. Circa 8 Kilometer lang zieht sich der Sand von einer Bucht zur anderen. Es ist ein Strand, von dem alle regenverwöhnten Schweizer irgendwann am Morgen beim Scheibenkratzen oder am Mittag, wenn die Frisur beim Weg zum Mittagessen leidet oder am Abend, wenn der Schuh in der kalten Pfütze einsinkt, träumen.
Dieser Strand ist nicht nur pingelig sauber (auch für schweizer Masstäbe!) nein, es ist der wohl sicherste Strand den ich kenne.
Ich bin ein Hobby Taucher und kenne viele Strände…. keiner davon ist in der Nacht sicher. Ob in Mallorca oder Ibiza, in Amerika oder Taba, in Sharm el Sheik oder sonstwo, man wird als Tourist IMMER gewarnt in den Nachtstunden am Strand zu sein. Drogen, Prostitution und Verbrechen lauern da im Dunkeln und auf den nächsten Schweizer, der sicher die Taschen voller Geld und am Armgelenk eine teure Uhr hat.
Und eben, daran liegt es. João Pessoa hat keinen dunklen Strand, nie! Auf der gesamten Länge zurückversetzt stehen Stadionscheinwerfer. Über zig Kilometer ist die Beleuchtung super und kein Verbrecher will sich da jemals zeigen wollen. Polizisten, welche nicht nur nett lächeln sondern auch noch nett sind, patroulieren ständig mit Pferden am Strand. Quads werden eingesetzt und auf der Strandpromenade sind auch immer wieder Polizisten auf Mountainbikes zu sehen. Die Präsenz ist nicht omnipotent aber stetig. Es ist nicht so wie in Mexico, wo man vor den Polizisten gewarnt wird (kein Witz). Die Korruption findet, und dies leider auch bei uns, auf dem Politischen Parket statt. Hier im “armen” Nordwesten, der sich diese Stromrechnung und die Polizei Präsenz leisten kann, kennt man sich irgendwie noch und jeder Polizist ist froh, wenn er seinen Job noch ein paar Jährchen machen kann und schaut auf eine saubere Weste.
Ich kenne doch mehr als genug Strassen in Zürich, wo ich nicht, um keinen Preis der Welt, um 01:30 übers Wochenende allein spazieren gehen würde, auch wenn es das Wetter zu lässt. Hier gehe ich nach dem Splachsalat (Gukst du unten…) ohne bedenken noch mal schnell die Wellen gucken (Welche man ja eben auch sieht) oder laufe mit meiner Gata engumschlungen noch ein wenig der Brandung nach. Ohne meine Uhr verstecken zu müssen oder meine Augen im 360 Grad verfahren zu verdrehen, um einen sich nahenden Verbrecher frühzeitig zu erkennen.
Dass ihr, liebe Schweizer, dass alles nicht glauben wollt / könnt, zeigt nicht nur die Macht der Medien, nein, es ist auch gut so. Schliesslich wollen wir doch dies alles so belassen wie es ist und wer es besser weiss, der kommt auch wieder ganz von alleine hier her und geht nicht nach Recife oder Natal, denn da ist eben das von den Medien propagierte Brasilien schon eher wieder an zu treffen!
Es ist schön, in João Pessoa, denn wenn es knallt, dann sind es Feuerwerke!







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